FÜNFZIGZWANZIG
Keine weiteren Termine.
Nachdem ich eine Arbeit von mir – den Abguss einer Steinplatte mit Fossilien, auf der Münzen und Knopfzellen (Batterien) angeordnet sind – auf Instagram gepostet hatte, schrieb mich unser belarussischer Freund Uladzimir Hramovich an. Er zeigte mir online eine Arbeit, die er 2021 in Georgien gemacht hatte und die ihn an meine Arbeit erinnerte. Mehr noch, sie ähnelte ihr sogar ziemlich: eine Schieferplatte in der Form einer Malerpalette, auf der Münzen lagen. Er brachte sein Objekt außerdem in unmittelbarem Zusammenhang mit einer Grafik meiner Partnerin Ekaterina Shapiro-Obermair, die seiner Arbeit auf eine andere, unheimliche Weise glich: Sie zeigte die schwarze Silhouette einer Malerpalette. In diesem Moment wirkten für mich plötzlich diese drei Arbeiten wie Plateaus, die Verbindungen zueinander suchten.
Die Anekdote über die zufällige Übereinstimmung in der Praxis dreier befreundeter Künstler:innen und ihre Kommunikation über Social Media macht deren Arbeiten wie selbstverständlich zum Ausgangspunkt der Ausstellung. Sie erzählt eine gemeinsame Geschichte, die als Grundlage für eine futuristische Landschaft gelesen werden kann. Darüber hinaus eröffnet sie ein Modell gelebter Zusammenarbeit und produktiver Beziehungen zwischen Künstler*innen, die sich oft zunehmend isoliert erleben. Vorausgesetzt, dass Ähnlichkeiten oder Nachbarschaften nicht als Bedrohung der eigenen Originalität verstanden werden, sondern als etwas Neues, das im Austausch der Arbeiten entsteht.
Bei Softshell Archipel sieht man Arbeiten, die sich sowohl mit formalen Fragen als auch mit gesellschaftlichen Beziehungsstrukturen jenseits der Kunst auseinandersetzen. Ausgangspunkt sind die Positionen der drei Protagonist:innen, die jeweils weitere Künstler:innen eingeladen haben, mit denen sie sich verbunden fühlen. Die Arbeiten treten nicht nur innerhalb dieser Gruppen in Resonanz, sondern korrespondieren auch mit anderen Positionen der Ausstellung.
Werke von: Sasha Auerbakh, Jason Bunton?, Vasco Costa, Uladzimir Hramovich, Bögdana Kosmina?, Wolfgang Obermair, Lesia Pcholka ?und Ekaterina Shapiro-Obermair.
Die Ausstellung wird vom artist-run Space Hoast (Wien) kuratiert.