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Sehr geehrter Herr Landeshauptfrau Stellvertreter Mag. David Brenner!
Wir freuen uns über Ihre Ernennung zum Landesrat für Finanzen & Liegenschaften, Kultur und Sport, und erlauben uns, Sie mit diesem Brief auf die aktuelle Situation der Tanz- und Performance-Szene in Salzburg aufmerksam zu machen.
Die zeitgenössische Tanz- und Performancekunst entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten international zu einer der innovativsten und kreativsten Kunstsparten. Das künstlerische Schaffen bewegt sich in einem breit gefächerten Spannungsfeld zwischen gesellschafts- und sozialkritischen sowie politischen Fragestellungen mit unterschiedlichsten Ausdrucks- und Bewegungsformen, stilistischen Mitteln und Aufführungspraktiken.
Salzburg hatte schon in den 80er und 90er Jahren eine Pionierfunktion im zeitgenössischen Tanz. Mit dem Künstlerkollektiv Vorgänge konnte sich die freischaffende Tanzszene in Salzburg bereits in den späten 80ger Jahren international positionieren. Seither entstanden Vereine mit großer künstlerischer Strahlkraft, wie die freien Produzenten, Tanzimpulse Salzburg und tanz_house.
Die Wahrnehmung von Tanz und Performance als wichtiger zeitgenössischer Kunstsparte ist jedoch trotz der oben beschriebenen Gegebenheiten in Salzburg nach wie vor nicht ausreichend entwickelt.
Deshalb bedarf es dringend zukunftsweisender Konzepte und innovativer Handlungsstrategien um der zeitgenössischen Tanz- und Performance-Szene in Salzburg neue Impulse zu geben und den Aufbau internationaler Vernetzungsstrukturen zu fördern.
Wir, als Kunstschaffende, TheoretikerInnen, KuratorInnen und KulturarbeiterInnen haben uns deshalb entschlossen, Sie auf diesem Wege vom aktuellen Stand der Dinge zu informieren und Ihnen einen von Repräsentanten der Salzburger Tanz- und Performance-Szene ausgearbeiteten Katalog von Maßnahmen zur Förderung der heimischen Tanz- und Performance-Szene zu unterbreiten.
Wir sind sicher, dass es auch dem Land Salzburg ein Anliegen ist, sich für eine dynamische und innovative Tanz- und Performanceszene einzusetzen, um damit einen wichtigen Impuls zur Förderung künstlerischer und gesellschaftsfördernder Strukturen zu sichern.
In diesem Sinne freuen wir uns auf weitere fruchtbare Gespräche mit Ihnen als dem Vertreter der Kulturabteilung des Landes Salzburg und hoffen auf eine positive Entwicklung für die freie Tanz- und Performance-Szene in Salzburg.
Mit freundlichen Grüßen,
i.V. Elfriede Eberhard, Lisa Hinterreithner und Claudia Heu
David Pye
Dieser Appell wird von folgenden Personen unterstützt:
Bertie Ambach, Leitung apap Projekt und szene salzburg
Ewa Bankowska, Choreographin
Editta Braun, Choreographin, editta braun company und tanz_house Salzburg
Martin Dietrich, Kulturmanager und Marketingleitung SEAD
Mag. Elfriede Eberhard, Kulturmanagerin und Initiatorin Tanzbüro Salzburg
Anna Grienberger, Kulturmanagerin
Mag. Klaudia Gründl, Kulturmanagerin, Geschäftsführung tanz_house
Dr. Nicole Haitzinger, Dramaturgin, Wissenschaftlerin, Tanzwissenschaft salzburg
Marcus Hank, Künstlerische Leitung ARGEkultur Salzburg
Claudia Heu, Choreographin, cabula6 und tanz_house Salzburg
Rahel Imbach, Choreographin
Dr. Claudia Jeschke, Leitung Tanzwissenschaft Salzburg
Mag. Lisa Hinterreithner, Choreographin, tanz_house Salzburg
Georg Hobmeier, Choreograph
Peter Huber, Tanzimpulse Salzburg
Rotraud Kern, Choreographin, tanz_house Salzburg, außerordentlich
Mirjam Klebel, Choreographin, tanz_house Salzburg, außerordentlich
Zoe Knights, Choreographin, tanz_house Salzburg, außerordentlich
Hubert Lepka, Choreograph, lawine torren und tanz_house Salzburg
Kate Mattingley, Dramaturgin
Anna Müller, Choreographin, tanz_house Salzburg, außerordentlich
Heidi Neumayr, Choreographin
Beda Percht, Choreograph, cataracts und tanz_house Salzburg
Susan Quinn, Künstlerische Leitung SEAD und tanz_house Salzburg
Katharina Schrott, Choreographin, tanz_house Salzburg
Julia Schwarzbach, Choreographin
Michael Stolhofer, Intendant szene salzburg
Sanja Tropp Frühwald, Choreographin
Helene Weinzierl, Choreographin, cieLaroque, Tanzimpulse und tanz_house Salzburg
Aktuelle Situation & Entwicklungen
• Durch die nicht ausreichende öffentliche Unterstützung ist eine bedenkliche Stagnation der zeitgenössischen und heterogenen Tanz- und Performancekultur in Salzburg festzustellen.
• ChoreographInnen wandern ab, zu viele junge Tanzschaffende verlassen nach ihrer Ausbildung die Stadt, in den Medien existiert keine Sparte "Tanz" oder "Performance".
• Viele KünstlerInnen sind in ihrer Arbeit nach wie vor mit hohem Unterfinanzierungsgrad und unzureichend funktionierenden Strukturen konfrontiert.
• Um den Austausch mit der internationalen Tanzszene zu fördern fehlt es an kontinuierlicher regionaler, nationaler und internationaler Aufbau- und Vermittlungsarbeit.
• Diese Entwicklungen erfordern ein kulturpolitisches Umdenken und es besteht dringender Handlungsbedarf.
Lösungsansätze & Strategien
• Im Gespräch mit Tanzschaffenden, VertreterInnen von Institutionen, Förderstellen und Ausbildungsstätten können gemeinsam Modelle entwickelt werden, die den obengenannten Entwicklungen gegensteuern.
• Es gilt Abwanderungstendenzen zu verringern, NachwuchskünstlerInnen zu unterstützen, etablierte KünstlerInnen adäquat zu fördern und den Aufbau neuer Strukturen zu unterstützen.
• Österreichweit haben sich Tanzschaffende, TheoretikerInnen und Institutionen zum „Round Table“ zusammengeschlossen und beschäftigen sich in intensiver Diskursarbeit mit den Kernthemen: Strukturschaffung, Ausbildung und Touring (TIGA – Tanz in ganz Austria).
• Die Initiative Tanzbüro beschäftigt sich seit 2005 mit der Entwicklung neuer Strukturen, Projektideen und Formate.
• Im Rahmen des Projektes City Of Dance (April 2007) fanden in Salzburg erste Gesprächsrunden statt, veranstaltet von der szene salzburg in Zusammenarbeit mit dem Institut für Tanzwissenschaft an der Universität Salzburg.
• Einrichtungen wie das Institut für Tanzwissenschaften an der Universität Salzburg oder die Salzburg Experimental Academy of Dance - SEAD, sowie die jüngste Initiative Tanzbüro sind wichtige Impulse für das Wachsen der Szene. Auch die vielfältigen Kooperationen mit der szene salzburg sind wesentlicher Motor für die Szene des zeitgenössischen Tanz.
• Die Stadt Salzburg gibt dem Tanz mehr Aufmerksamkeit und hat für die nächsten drei Jahre eine Erhöhung der Fördergelder für freischaffende KünstlerInnen, Strukturarbeit und Projektarbeit von 60.000,- Euro zugesagt.
Vorschläge & Maßnahmenkatalog
Als KulturarbeiterInnen, Kunstschaffende und somit ExpertInnen ist es uns ein existentielles Anliegen, die Förderpolitik gemeinsam in einem positiven Diskurs mit den Verantwortlichen der Kulturpolitik zu gestalten.
Daher formulieren wir aus unserer Sicht wichtige Schwerpunkte und fordern für die öffentliche Förderung für Tanz und Performance von den KulturpolitikerInnen folgendes:
• Zielführende Erhöhung der Produktionsförderung der einzelnen Tanz- und Performanceschaffenden mit Künstlerstatus
• Langfristige Strukturförderung
• Adäquate Förderung zur Kreation bestehender und neuer Aufführungsformate
• Förderung zur Kreation der Einrichtung von Research Projekten
• Einrichtung eines Touringtopfes
• Diskurs auf formaler und inhaltlicher Ebene mit der Behörde
• Einholung von Expertisen und Einbeziehung von Experten bei der Fördervergabe
• Festschreibung von differenzierten Förderkriterien für Performance und Tanz.
• Teilnahme des Landes Salzburg am Projekt TIGA, um auch in diesem Bereich österreichweite Vernetzungs- und Produktionsarbeit zu fördern.
